Wenn Musik sichtbar wird: Wie Sencity Konzerte neu erfindet

Dieser Zero Project Awardee zeigt, wie Barrierefreiheit nicht als Zusatz, sondern als kreative Grundlage kultureller Erlebnisse funktioniert.

Das Sencity Festival wurde von der niederländischen NGO Stichting Possibilize entwickelt und wird seit 2003 von und mit Menschen mit Hörbehinderungen gestaltet. Ziel ist es, Musik nicht nur hörbar, sondern sichtbar, spürbar, riechbar und sogar schmeckbar zu machen. Damit schafft Sencity ein Konzerterlebnis, das gehörlose, schwerhörige und hörende Menschen gleichermaßen einschließt.

Statt punktueller Anpassungen wird jedes Event von Beginn an multisensorisch konzipiert. Songs werden durch Gebärdensprache, Mimik und Bewegung interpretiert, während sogenannte „sensorische Choreografien“ Klang in Lichtsequenzen, vibrierende Böden, digitalen Wind, Duftkompositionen und Geschmackserlebnisse übersetzen. Ein:e „Aroma-Jockey“ gehört ebenso zum Team wie gehörlose Künstler:innen auf und hinter der Bühne.

Die Innovation liegt im Perspektivwechsel: Sencity denkt Kultur aus der Erfahrung gehörloser Menschen heraus und macht diese Perspektive zur Inspirationsquelle für alle. „Wenn Musik gesehen, gerochen, gefühlt und geschmeckt werden kann, gehört jeder dazu“, sagt Projektleiterin Isa Vriese.

Die Wirkung ist international: Bis 2025 wurde Sencity in über 17 Ländern auf fünf Kontinenten umgesetzt. Rund 2.000 Besucher:innen nahmen teil, davon etwa 1.200 mit Hörbehinderungen. Ergänzend bietet das Team Schulungen, Toolkits und frei zugängliche Podcasts an und berät Kulturinstitutionen weltweit.

Drei Aspekte machen dieses Projekt besonders:

  • Design aus Deaf-Perspektive: Gehörlose Menschen gestalten Inhalte, Ästhetik und Leitung.
  • Multisensorische Innovation: Musik wird über mehrere Sinne erfahrbar gemacht.
  • Hohe Übertragbarkeit: Das Lizenzmodell ermöglicht Umsetzungen weltweit.

Sencity zeigt eindrucksvoll, wie inklusive Kultur nicht nur zugänglicher, sondern auch kreativer und intensiver wird.

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