Wenn die Welt Kopf steht. – Mensch. Psyche. Gesundheit

Noch bis 8.November ist die Niederösterreichische Landesausstellung 2026 im Landesklinikum Mauer zu sehen, an einem Ort, der seit 120 Jahren als Synonym für die Behandlung seelischer Leiden in Niederösterreich steht. Die Ausstellung, in der seelische Gesundheit als gesamtgesellschaftliches Anliegen vermittelt wird,  ist in mehrfacher Hinsicht außergewöhnlich und sehenswert.

Erstmals findet damit eine Landesausstellung in einer Landesklinik statt, und das bei laufendem Betrieb. Das entspricht der Intention des Landesklinikums, einen offenen und transparenten Zugang zu ermöglichen. Gleichzeitig erfordert diese Offenheit auch Sensibilität im Umgang mit diesem besonderen Ort, den Menschen, die dort Behandlung suchen und wohnen, sowie den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

Seelische Gesundheit wird in der Landesausstellung als gesamtgesellschaftliches Anliegen vermittelt. Damit verbunden möchte die Landesausstellung einen wichtigen Beitrag zur Enttabuisierung von psychischen Erkrankungen sowie zur Entstigmatisierung von Betroffenen und Angehörigen leisten und auch das Mostviertel als Gesundheitsregion mit vielfältigen kultur- und gesundheitstouristischen Angeboten etablieren.

Im Zentrum der NÖ Landesausstellung steht dabei die Hauptausstellung im Haus 21. Sie stellt in vier Abschnitten und 21 inhaltlichen Positionen den Umgang mit psychischen Erkrankungen in unserer Gesellschaft im Wandel der Zeit ins Zentrum und möchte Impulse für die Zukunft geben. Die inhaltlichen Positionen werden durch fünf bis zehn Objekte veranschaulicht und nehmen jeweils eine Argumentation, eine Darstellung auf, um eine vielstimmige Erzählung zu bieten.

Um diese unterschiedlichen Perspektiven zu ermöglichen, finden sich bei den inhaltlichen Positionen neben Kunstwerken historische Objekte und Dokumente, Objekte von Betroffenen, Angehörigen und medizinischem Personal. Die Themen reichen dabei von der Suche nach dem Sitz der Seele, der unterschiedlichen Wahrnehmung von Krankheit und Gesundheit über die Errichtung von Heil- und Pflegeanstalten sowie die Veränderung der Behandlung psychischer Erkrankungen bis hin zur Antipsychiatriebewegung und zu den gegenwärtigen Anliegen der psychischen Gesundheit.

Zudem wird im Rahmen der Landesausstellung in Haus 18 ein dauerhafter Lernort für die Opfer der NS-Medizinverbrechen eingerichtet.

Die Landesausstellung wird von einem umfangreichen Programm zur Barrierefreiheit und Inklusion begleitet:

Inklusives Ausstellungskonzept – Haus 21

Das barrierefreie Konzept für Haus 21 folgt dem Prinzip des Mehrwerts für alle statt paralleler Redundanzen. Texte in einfacher Sprache fungieren als verständliche Vorspanne für Kapitel- und Subkapiteltexte. Untertitel, verschriftlichte Inhalte und die Umwandlung ausgewählter Texte in Hörstationen kommen allen Besucherinnen und Besuchern zugute, unabhängig von individuellen Bedürfnissen oder Nutzungssituationen. Ein zentrales Gestaltungsprinzip ist die Verschränkung statt Trennung von Angeboten.

Zugleich wurde eine bewusste Auswahl der barrierefreien Aufbereitung getroffen. Nicht jeder Inhalt wird für alle Sinne übersetzt; barrierefrei gestaltet werden jene Elemente, die zentral für die Botschaft, Haltung und Dramaturgie der Ausstellung sind. Dadurch bleibt die Vermittlung präzise und inhaltlich fokussiert.

Das inklusive Ausstellungskonzept wurde in Kooperation mit folgenden Partnern erstellt:

• Schwerhörigenbund Österreich – ÖSB

• Blinden- und Sehbehindertenverband Österreich – BSVÖ

• Lebenhilfe Niederösterreich – Werkstätte Kemmelbach

• Interne Beratungsgruppe LK Mauer-Öhling

Der inklusive Audio-Guide ist nicht als Sonderlösung konzipiert, sondern führt gleichwertig durch die gesamte Ausstellung und ist über QR-Codes über das eigene Smartphone abrufbar. Er vermittelt die wesentlichen Inhalte, lädt aber gleichzeitig dazu ein, sich mit ausgewählten Exponaten zu befassen, sei es durch Betrachten, Fühlen oder Hören. Damit ergibt sich ein abwechslungsreicher Weg durch die Ausstellung, der unterschiedliche Objekte und Medien miteinander verbindet. Der Audio-Guide bietet außerdem die Möglichkeit, die Kapitel- und Subkapitel im Original abzurufen.

Für blinde und sehbehinderte Menschen wird ein durchgehendes taktiles Bodenleitsystem vom Parkplatz bis in alle Bereiche der Ausstellung implementiert. Die Elemente, die nur temporär für die Ausstellung genutzt werden, können rückstandsfrei entfernt und wiederverwendet werden. Die Orientierung wird zusätzlich durch akustische Wegbeschreibungen über den Audio-Guide unterstützt, abrufbar per QR-Code am eigenen Endgerät. Ausgewählte Exponate werden als Tastobjekte oder Reliefs umgesetzt; ergänzend werden ohnehin betastbare Originale gezielt in die Vermittlung eingebunden und mit Braille-Beschriftungen versehen. Dasselbe gilt für ausgewählte Vermittlungsstationen.

Für hörbehinderte und gehörlose Menschen sind Videos durchgehend untertitelt. Hörstationen verfügen über induktionsverstärkte Hörer; sämtliche Inhalte stehen zusätzlich als Texte über QR-Codes zur Verfügung und ermöglichen individuelle technische Lösungen. Hörstationen werden außerdem in Form von Transkripten zugänglich gemacht. Ins Begrüßungsvideo und in ausgewählte Interview-Videos sind Videos in österreichischer Gebärdensprache eingebettet.

Für Menschen mit eingeschränkter Mobilität gibt es grundsätzlich keine baulichen Hürden; Rampen und Aufzüge sind vorhanden. Bei der Ausstellungsarchitektur sind zwar nicht alle, aber viele Möbel unterfahrbar bzw. ausreichend zugänglich.

Für Besucherinnen und Besucher mit kognitiven Beeinträchtigungen bzw. Leseschwäche sind Kapitel- und Subkapiteltexte konsequent auch in einfacher Sprache verfügbar und unterstützen eine selbstständige Orientierung im Ausstellungsnarrativ.

inklusives Ausstellungskonzept – Haus 18

In Haus 18 führt ein taktiles Bodeninformationssystem gezielt in beide Ausstellungsräume. Ergänzend wird bei jedem Kapitel ein barrierearmes Vermittlungsangebot in Form von Tafeln bereitgestellt, die über einen Dispenser entnommen werden können. Die Dispenser enthalten:

• Den Kapiteltext und das Leitobjekt in einfacher Sprache

• Eine Übersicht über alle Objekttexte eines Kapitels inklusive Abbildungen

Letzteres ist ein wesentliches Angebot für Rollstuhlfahrerinnen und Rollstuhlfahrer, da die Objekte und Beschriftungen vor Ort teilweise physisch nicht zugänglich sind.

• Taktile Tafeln: An acht von vierzehn Stationen wird das Angebot durch taktile Tafeln zu ausgewählten Exponaten ergänzt. Diese sind entweder als Reliefs ausgeführt oder bieten über QR-Codes vertiefende Inhalte in barrierefrei zugänglicher Textform.

Außerdem ist der Kapiteltext bei jeder Station über einen QR Code abrufbar und kann per Screen Reader ausgelesen werden.