
An drei Tagen Mitte Oktober widmete sich der heurige Museumstag in Eisenstadt der Sprache im weitesten Sinn und damit auch der (sprachlichen) Zugänglichkeit zu Kunst und Kultur für alle.
Objekte tragen Sprache(n), Stimmen und Erzählungen in sich. Manche Dinge „sprechen“ mehrere Sprachen zugleich: Sie können über Grenzen wandern, werden in neue kulturelle und sprachliche Kontexte überführt, neu bezeichnet, neu verstanden. Dabei verändern sich nicht nur die verwendeten Sprachen, sondern auch die Perspektiven, aus denen über sie gesprochen wird, sowie die Geschichten, die mit ihnen verbunden sind. Ihre Bedeutungen verschieben sich, werden überlagert, übersetzt oder auch ausgelöscht.
In einer spannenden key note sprach der Ausstellungskurator Andreas Kristof Vielstimmigkeit nicht als Ziel, sondern als Ausgangspunkt einer weiterführenden Debatte.
Vielstimmigkeit ist zum Leitbegriff des Museums des 21. Jahrhunderts geworden. Kaum eine Institution kommt heute ohne den Anspruch aus, unterschiedliche Perspektiven sichtbar zu machen. Doch genügt es, möglichst viele Stimmen zu versammeln? Oder stellt sich vielmehr die grundsätzliche Frage, wer erzählt, wer gehört wird und wer über das Erzählen entscheidet?
Denn die Herausforderung besteht nicht allein darin, neue Perspektiven in bestehende Narrative aufzunehmen. Sie besteht vielmehr darin, die Rolle des Museums selbst neu zu denken. Was geschieht, wenn das Museum seine Autorität nicht aufgibt, sondern mit jenen teilt, deren Geschichte erzählt wird? Wie verändert sich eine Institution, wenn sie nicht mehr ausschließlich über Menschen spricht, sondern ihnen ermöglicht, selbst zu sprechen?
Fragestellungen, die sich durch das gesamte Programm zogen und spannende Diskussionen sowie neue Perspektiven ermöglichten.
Der Österreichischen Museumstag widmet sich seit 1991 jedes Jahr einem anderen Schwerpunktthema und wird von den beiden Verbänden ICOM Österreich und Museumsbund Österreich organisiert. Als Tagungsort wird jedes Jahr ein anderes Bundesland und ein lokales Museum ausgewählt, um der Vielfalt der Museumsszene in Österreich gerecht zu werden.
